Wessen Glaubwürdigkeit ist eigentlich dahin?
Stellungnahme und Richtigstellung zum NWZ-Artikel vom 31. Januar 2026
Die Nordwest-Zeitung (NWZ) berichtet über unbestätigte Details aus einem Bauleitverfahren, wonach von 1.040 eingegangenen Stellungnahmen, etwa die Hälfte auf fünf Personen entfällt. (NWZ, 31.01.2026)
Am 27. November 2025 hat die Bürgerinitiative KEIN StadionBau unter dem Titel „1.000 gute Gründe die Stadionpläne zu begraben“ eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es auszugsweise heißt:
Die Stadt Oldenburg muss nun alle Einwendungen prüfen und gegebenenfalls in den Bebauungs bzw. Flächennutzungsplan einarbeiten, bevor der Rat abschließend darüber entscheiden kann. Sollten im Frühjahr die Stadionpläne trotzdem genehmigt werden, kündigt Brümann bereits eine Normenkontrollklage an. „Wir haben relevante Einwände erhoben, die einen Bau des Stadions an der geplanten Stelle rechtlich ausschließen“, sagt Brümann.
Falsche Darstellung einer richtigen Formulierung
Statt der tatsächlichen Formulierung „1.000 gute Gründe die Stadionpläne zu begraben“, suggeriert die aktuelle Berichterstattung der NWZ jetzt, die Bürgerinitiative habe behauptet „1.000 Personen protestieren gegen den Stadionbau“, um dann in einem Kommentar festzustellen, dass es nicht der Fall und die BI damit unglaubwürdig sei.
Es ist keine Frage unterschiedlicher Meinungen, sondern eine vorsätzlich falsche Darstellung, einzig und allein um unsere Bürgerinitiative zu diskreditieren.
Die Darstellung in den
NWZ bites auf TikTok spitzt die unrichtige Darstellung weiter zu auf „Über 1000 Einwände gegen das neue Stadion in Oldenburg - das klingt nach Massenprotest, oder? Aber Spoiler: mehr als die Hälfte kommt nur von fünf Personen.“
Die richtige Formulierung ist, “Einwände gegen die Stadionplanung“, wie es in unserer Pressemitteilung richtig heißt, nicht „Einwände gegen das neue Stadion“. Der Redaktion ist zudem bekannt, dass die Online-Petition gegen einen Stadionneubau mittlerweile mehr als 10.600 Unterstützerinnen und Unterstützer hat. Das ist schon eine ganze Menge, oder?
Das NWZ-bites-TikTok-Video wird zudem mit der Animation eines Stadions in Holzbauweise illustriert (Quelle: Initiative Nordweststadion), obwohl der Redaktion längst bekannt ist, dass das Stadion aus Kostengründen mit konventionellem Beton gebaut werden soll.
Hintergrund
Eine Verzögerung in der Bauleitplanung könnte die Umsetzung des Projektes ernsthaft gefährden. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD), der die Umsetzung seines Planes versucht zu forcieren, hat angekündigt, bei der Kommunalwahl im Herbst 2026 nicht mehr zu kandidieren. Durch den anstehenden Wechsel im Rathaus könnten Verzögerungen den Stadionneubau in der geplanten Form zunichtemachen. Das hätte auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die VfB Oldenburg Fußball GmbH, für die das Drittliga-Stadion in erster Linie geplant ist. Die NWZ ist offizieller Medienpartner des begünstigten Fußballunternehmens.
Der Deutsche Presserat sprach am
26. Juni 2026 eine Mißbilligung gegen die NWZ wegen einer Berichterstattung desselben Redakteurs aus: „Zwar gehört das Stadion bzw. die Stadiongesellschaft nicht direkt dem Verein. Allerdings ist dem Verein ein intensives Interesse an einer neuen Spielstätte unterstellbar. Eine Medienpartnerschaft ist grundsätzlich geeignet, die Objektivität der Redaktion bezüglich Themen, die den Medienpartner betreffen, infrage zu stellen. Insofern hätte die Redaktion auf die Medienpartnerschaft hinweisen müssen, um der Leserschaft die Möglichkeit zu eröffnen, die Berichterstattung unter diesem Gesichtspunkt zu bewerten.“ Die NWZ hat die Mißbilligung bislang nicht veröffentlicht und hat auch nicht auf die Medienpartnerschaft hingewiesen.
Die Gutachten, Studien und Planungen zu den zwei Verfahren umfassen mehr als 1.000 von Fachbüros erstellte Seiten. Die Gutachten und Konzepte u.a. zu Boden, Lärm, Licht, Fauna, Entwässerung und zum Verkehr weisen erhebliche Mängel auf. Die hat die Bürgerinitiative in einer 93 Seiten umfassenden Stellungnahme dargelegt. Daraus hatte die Bürgerinitiative KEIN StadionBau im Oktober 2025 exemplarisch 84 Einwendungen öffentlich gemacht, die entweder direkt übernommen werden oder um individuelle Argumente ergänzt werden konnten.
Über die Mängel und die Auswirkungen auf die Bauleitplanung erfahren die Leserinnen und Leser und das TikTok-Publikum nichts. Sie erfahren auch nichts über die Qualität der Einwände. Stattdessen bemüht sich der Autor, allein mit einem fragwürdigen Verweis auf die Quantität die berechtigten Einwände von Bürgerinnen und Bürgern zu diskreditieren.
Selbst wenn knapp die Hälfte der Einwendungen tatsächlich auf fünf Personen entfallen sollten, es bleiben 1.040 qualifizierte Einwände und dann noch mehr als 500 weitere individuelle Stellungnahmen von anderen Bürgerinnen und Bürgern, die in der NWZ keine Beachtung finden.
Auch bei der Oldenburger Baumschutzsatzung wurden ähnlich viele Einwendungen erzielt - was von selben Autor als imposante Zahl gewürdigt und mit dem Aufruf verbunden wurde, dass die Sorgen der Bürger*innen ernst genommen werden sollten. Hier wurde nicht hinterfragt, wie viele Stellungnahmen einen ähnlichen Inhalt haben.
Wir bleiben dabei: Kein Stadionneubau zu 100 Prozent von unseren Steuergeldern, ohne dass die Bevölkerung überhaupt dazu gefragt wurde.
Ein Bauleitverfahren ist zudem keine Abstimmung, in der es auf Quantität ankommt. Ein einziger stichhaltiger Einwand ist ausreichend, um eine Planung überarbeiten zu müssen, bzw. um eine Planung zu stoppen.








