Fragwürdige Konzepte und Zahlen der Stadionplanung

Klaas Brümann • 4. Dezember 2025

Investitionskostengrenze für Stadion in Gefahr

Bürgerinitiative KEIN StadionBau ist sicher, die Planung hält einer Prüfung der Rechtmäßigkeit nicht stand und bedarf grundlegenden Änderungen.

Über der Eröffnungsfeier schwebt der Pleitegeier

Nach dem Bericht der „IFS Investitionskostenrechnung Neubau Stadion Oldenburg“, Seite 11, wird eine Gesamtsumme von 50.388.623 Euro für den Stadionbau genannt (ohne die Kosten für das Grundstück und die Bodensanierung). Die CDU-Fraktion beantragte, dass „der Rat über eine mögliche Steigerung der Investitionskosten um mehr als 10 Prozent gegenüber den im Gutachten veranschlagten Kosten unverzüglich informiert [wird].“ Der Vorlage hat der Rat der Stadt Oldenburg am 28. Oktober 2024 zugestimmt und damit eine absolute Obergrenze für die Stadioninvestition gesetzt. 


Aus der Begründung: „Das ist im Hinblick auf die finanzpolitische Verantwortung der gewählten Vertreterinnen und Vertreter in Zeiten steigender Haushaltsdefizite unbedingt geboten. Mit dem Ratsbeschluss vom April 2024 wurde ein Kostenrahmen gesetzt, der bei der Finanzierung des Stadionneubaus eingehalten werden muss.



In der schriftlichen Antwort der Stadtkämmerin auf eine Einwohnerfrage vom 3. Dezember. 2025 heißt es unter anderem: „Sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit dem Stadionneubau anfallen, somit auch die Planungskosten, werden bei der für den Bau und Betrieb des Stadionneubaus gegründeten Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG aktiviert. Im städtischen Haushalt werden der laufende Zuschuss (Ergebnishaushalt) sowie der am 28.10.2024 vom Rat beschlossene Eigenkapitalzuschuss in Höhe von bis zu 15 Mio. Euro (Finanzhaushalt) an die Gesellschaft geplant.


Auf eine Insta-Frage in 2023: „Eine Millionen Euro bei Schulen streichen, aber am Stadion festhalten? Wie geht das zusammen?" antwortete Oberbürgermeister Jürgen Krogmann das Gegenteil, wie wir es damals schon in der „Krogmännsche Fakterngrätsche zum Haushalt“ bemängelten.


Im Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen vom 3. Dezember 2025 wollte der Geschäftsführer der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG Stefan Orth Fragen mehrerer Ausschussmitglieder zur Aktivierung der Planungskosten nur schriftlich beantworten. Die Angaben liegen allerdings schon schriftlich vor, unter anderem im Wirtschaftsplan 2026 der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG und Stadion Oldenburg Beteiligungs-GmbH. Dort steht im Vermögensplan (Seite 6), dass die GmbH bis Ende des laufenden Jahres 2025 1,45 Millionen Euro an Planungskosten aktiviert haben wird. Damit sinkt die für den Totalunternehmer den Bau zur Verfügung stehende Summe  auf 53.977.4585 Euro.


Wir erwarten daher, dass die CDU-Fraktion Angebote von Totalunternehmern oberhalb von 54 Millionen Euro ablehnen wird, sollten die zur Abstimmung vorgelegt werden. Vielleicht erklärt das, warum Herr Orth sich zur Frage der Planungskosten nicht im Ausschuss vor der Abstimmung äußern wollte.


Die Ausgaben für das Gehalt des Geschäftsführer, die Büromiete und das Marketing sind laufende Ausgaben, die die Stadtkasse mit über 200.000 Euro belasten, aber in den Kosten für die Stadionplanung nicht inbegriffen sind.


Die aufgeführten Millionen-Kosten schließen auch das Grundstück nicht mit ein. Dass die Stadtverwaltung für das  Stadion-Grundstück nur 90 Euro/m² ansetzt, ist bedenklich, weil für das Rickey Paulding Center der Bodenrichtwert mit 275 Euro/m² berechnet wurde - also dreimal soviel. Dem Verband der Schweinezüchter zahlte die Stadtverwaltung offenbar 900 Euro/m² – also zehnmal soviel –, um ein benachbartes Grundstück anzukaufen, auf dem eigentlich ein Hotel entstehen sollte, für das sich aber bislang kein Nutzer gefunden hat. 


Das  Stadiongrundstück wird für nur 7,4 Millionen Euro der Stadiongesellschaft übertragen. Bevor das geschieht, werden jedoch noch mal mindestens 6,8 Millionen Euro für die Bodensanierung bezahlt - natürlich aus der Stadtkasse. Die Kosten der notwendigen Verlegung der Starkstromleitung kommen noch obendrauf. Übrigens, am ehemaligen Fliegerhorst fielen die Bodensanierungen regelmäßig deutlich teurer aus, als vorher veranschlagt. 


Städtischer Zuschuss für die Stadiongesellschaft mehr als doppelt so hoch, wie geplant

Laut Wirtschaftsplan der Stadiongesellschaft soll der beihilferechtliche städtische Zuschuss für das Drittliga-Stadion im Jahr 2029 2,7 Millionen Euro betragen. Sorgen bereitet, dass der reale Zuschussbedarf aktuell mehr als doppelt so hoch ist, wie die im Haushalt angesetzten 240.000 Euro. Für 2026 plant die Stadiongesellschaft einen Fehlbetrag in Höhe von 651.500 Euro. Es müssen also mehr als 2,5 Mal so hohe Zuschüsse aus Steuermitteln geleistet werden, wie geplant.


Die Differenz zwischen dem einmal geplanten Zuschuss von  240.000 Euro im Jahr und den real um 411.500 Euro höheren Kosten für die Stadt ergibt sich im wesentlichen aus fünf Gründen:


  1. Für den Verkauf der Namensrechte wurden 165.000 Euro pro Jahr angesetzt. Es hat sich aber bis jetzt kein Unternehmen gefunden, das seinen Namen für die wenig geliebte Verschwendung öffentlicher Mittel hergeben wollte.
  2. Die angesetzte Büromiete von 44.000 Euro orientiert sich offenbar am Preisniveau von Hamburg.
  3. Für Werbung und Marketing für das Stadion sind drei Jahre vor der geplanten Fertigstellung schon 32.500 Euro eingeplant.
  4. Die Beratungskosten fallen um 165.000 Euro höher aus als geplant. Damit erwarb die Stadiongesellschaft offenbar ein Verkehrskonzept ohne Konzept und beauftragte einen Raum- und Umweltplaner mit einem schalltechnischen Gutachten, das haarsträubende Mängel aufweist. Die Initiative KEIN StadionBau rechnet damit, dass sich durch die aufgezeigten Fehler die Stadionplanung noch jahrelang hinziehen wird.
  5. Die Personalkosten der Stadiongesellschaft steigen auf 210.000 Euro, denn es soll eine zweite Person eingestellt werden, die sich mit konzeptionellen Fragestellungen (z.B. Ticketing, Catering) beschäftigt. Mehr als konzeptionell geht nicht, weil es unwahrscheinlich ist, dass es in diesem Jahrzehnt überhaupt Tickets oder Stadion-Bratwürste geben wird.


Fehlplanung offensichtlich 

Nicht nur ist der Standort mitten in der Stadt für ein Fußballstadion schlecht geeignet. Es sollte jedem realistisch denkenden Menschen auch klar werden, dass die finanzielle Entwicklung der Stadt den Neubau eines zweiten Stadions nicht zuläßt. 


Daher fordert die Bürgerinitiative KEIN StadionBau, die Planung sofort zu beenden, die städtischen Stadion-GmbHs aufzulösen und das verbliebene Kapital in den städtischen Haushalt zurückzuführen. 


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