Die Positionen der OB‑Kandidatinnen zum Stadionneubau
Was bedeutet die OB-Wahl für den Ausstieg aus dem Stadion-Irrsinn?
Am 13. September wählt Oldenburg eine neue Oberbürgermeisterin oder einen neuen Oberbürgermeister. Die Bürgerinitiative KEIN StadionBau hat Wahlprüfsteine an die Kandidierenden geschickt – leider nur vier haben geantwortet.
Für Stadiongegner*innen ist entscheidend: Wie wahrscheinlich ist ein Ausstieg aus der Stadionplanung, insbesondere wenn ein Normenkontrollverfahren das Projekt ins Wanken bringt?
Diese Zusammenfassung ordnet die Positionen von Heike Boldt, Ralph Butzin, Jascha Rohr und Holger Martin Wilkens. ein – ausschließlich auf Basis ihrer eingereichten Antworten. Kandidierende, die keine Antworten einreichen, wie zum Beispiel Byanca Küßner oder Ulf Prange (SPD), können wir nicht berücksichtigen.

1. Holger Martin Wilkens (Bürger Bündnis Oldenburg)
Position zum Stadion: eindeutig kritisch
Ausstiegswahrscheinlichkeit: sehr hoch
Wilkens ist der Kandidat, der am deutlichsten einen Kurswechsel ankündigt. Seine Antworten enthalten mehrfach klare Aussagen, die einen Ausstieg auch nach juristischen Entwicklungen realistisch erscheinen lassen.
Zentrale Aussagen von Holger Martin Wiklens
- „Mein und unser Ziel ist die Vermeidung des Stadions, ggf. sogar unter Hinnahme von Vertragsstrafen.“
- „Wir werden versuchen, einen Stadionneubau in der beschlossenen Form auch weiterhin zu verhindern.“
- „Bei entsprechenden Wahlergebnissen ist ein Umsteuern auch in dieser Frage (Stadion) immer noch möglich.“
- „Es gibt […] hoffentlich entsprechende Exit‑Klauseln. Es muss dringend geprüft werden, wie Oldenburg mit möglichst wenig Verlusten herauskommen kann.“
Einordnung
Wilkens sieht das Projekt als finanziell riskant, sportpolitisch falsch und stadtplanerisch verfehlt. Er betont mehrfach, dass ein neuer Stadtrat Mehrheiten für einen Ausstieg schaffen könne.
Für Stadiongegner ist er damit der Kandidat, der am klarsten einen Ausstieg unterstützt – unabhängig davon, wie das Normenkontrollverfahren ausgeht.
2. Ralph Butzin (echt Oldenburg)
Position zum Stadion: kritisch, aber stärker verwaltungsorientiert
Ausstiegswahrscheinlichkeit: hoch
Butzin bewertet das Stadionprojekt ebenfalls sehr negativ und sieht erhebliche Risiken – sowohl finanziell als auch sportpolitisch. Er spricht sich für Transparenz, Bürgerbefragungen und eine Neubewertung aus.
Zentrale Aussagen von Ralph Butzin
- „Das kann man nicht rechtfertigen. Es ist einfach falsch. Wir setzen die Mittel falsch ein.“
- „Für mehr als 60 Mio. € gibt es bessere Umsetzungsmöglichkeiten, um ‚dritte Orte‘ zu schaffen.“
- „Ich werde nicht zwei etablierte Vereine benachteiligen.“ (zur Parkplatzfrage)
- „Wir werden Mehrheiten finden müssen […] um den Rat zu bewegen, die Entscheidung zu revidieren.“
- „Bezogen auf die letzte Frage sehe ich leider nur wenig Aussicht auf Erfolg.“ (zur persönlichen Haftung)
Einordnung
Butzin sieht die finanziellen und organisatorischen Risiken des Projekts klar und hält eine Revidierung des Ratsbeschlusses für möglich.
Er formuliert den Ausstieg weniger kämpferisch als Wilkens, aber dennoch deutlich: Ein Kurswechsel ist wahrscheinlich, wenn das Normenkontrollverfahren das Projekt weiter destabilisiert.
3. Heike Boldt (Die Linke)
Position zum Stadion: kritisch, aber weniger eindeutig
Ausstiegswahrscheinlichkeit: mittel
Boldt kritisiert das Projekt aus sozialen und stadtpolitischen Gründen, betont aber stärker die Notwendigkeit von Beteiligung und Gemeinwohlorientierung. Sie äußert sich weniger klar zu einem vollständigen Ausstieg.
Zentrale Aussagen Heike Boldt
- „Nach jetzigem Nutzungsplan wird es kein ‚dritter Ort‘. Ich werde mich aber dafür einsetzen, dass es einer wird.“
- „Wenn das Stadion nicht im Widerspruch zu den Klimazielen steht, muss das Baukonzept angepasst werden. Ist das nicht möglich, dann steht das Stadion im Widerspruch zum Klimaziel.“
Einordnung
Boldt sieht die Risiken, aber formuliert keinen klaren politischen Auftrag zum Ausstieg.
Sie würde einen Ausstieg prüfen, wenn das Normenkontrollverfahren das Projekt rechtlich blockieren – aber nicht aktiv vorantreiben.
Für Stadiongegner*innen bedeutet das: Ein Ausstieg ist möglich, aber nicht sicher.
4. Jascha Rohr (parteilos)
Position zum Stadion: formalistisch, zurückhaltend
Ausstiegswahrscheinlichkeit: gering
Rohr ist der Kandidat, der am deutlichsten auf bestehende Ratsbeschlüsse verweist und die Fragen der Bürgerinitiative mehrfach als „suggestiv“ bezeichnet.
Zentrale Aussagen von Jascha Rohr
- „Zum Bau des Stadions gibt es Ratsbeschlüsse.“
- „Diese Frage wird zusammen mit dem neuen Stadtrat diskutiert und entschieden.“
- „Wie sollte eine solche Garantiebekundung aussehen?“ (zur Frage der Sportpriorisierung)
- „Solche Obergrenzen werden nicht vom OB festgesetzt, sondern vom Rat beschlossen.“
Einordnung
Rohr vermeidet klare Positionierungen und betont die Bindung an bestehende Beschlüsse.
Er signalisiert wenig politischen Willen, das Projekt zu stoppen – selbst wenn ein Normenkontrollverfahren Erfolg hat, würde er die Entscheidung primär dem Rat überlassen.
Um zu vermeiden, dass persönliche Präferenzen diese Auswertung beeinflussen könnte, wurde sie KI-generiert. Im Sinne der Transparenz können Sie die Antworten von Heike Boldt, Ralph Butzin, Holger Martin Wilkens und Jascha Rohr auf die Wahlprüfsteine hier als Excel-Tabelle laden.
Gehen Sie wählen!
Auch wenn die Haltung der Oberbürgermeisterin oder des Oberbürgermeisters die Verwaltung prägt und die Agenda und die politische Dynamik erheblich beeinflußt, entscheidet am Ende der Rat der Stadt Oldenburg. Für Stadiongegner*innen ist damit entscheidend, welche politische Richtung der neue Stadtrat einschlägt – denn alle vier betonen, dass letztlich der Rat entscheidet.
Das BBOL, die Grünen und Volt haben sich klar positioniert!
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