Firma Hellmich: Stadien und Millionenrisiken
Kann Oldenburg Lehren ziehen aus Aachen, Duisburg und anderen Projekten?

KI generiertes Bild
Die Mehrheit im Rat der Stadt Oldenburg hat sich für den Bau eines neuen Fußballstadions entschieden. Als Totalunternehmer soll die Walter Hellmich GmbH den Zuschlag erhalten. Befürworter verweisen auf die jahrzehntelange Erfahrung des Unternehmens im Stadionbau. Tatsächlich hat die Hellmich-Gruppe zahlreiche Stadien in Deutschland und Europa errichtet – darunter in Aachen, Ingolstadt, Hamburg, Wiesbaden, Hamburg und Warschau.
Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob Hellmich Stadien bauen kann. Die entscheidende Frage lautet:
Welche Erfahrungen haben Städte und Vereine bei den Projekten gemacht – insbesondere dann, wenn öffentliche Gelder im Spiel waren?
Aachen: Das Stadion als „Millionengrab"
Der „Neue Tivoli" in Aachen gilt heute vielen Kommunalpolitikern als Mahnmal für die Risiken großer Stadionprojekte.
Nach der Eröffnung kam es zu jahrelangen Auseinandersetzungen über Baumängel. Medien berichteten über zahlreiche festgestellte Mängel und langwierige Verhandlungen über deren Beseitigung zwischen der Stadt Aachen und der Hellmich-Gruppe. Teilweise war von mehr als 40 beziehungsweise über 60 dokumentierten Mängeln die Rede. Die Stadt und das Unternehmen einigten sich schließlich auf einen Vergleich über Mängelbeseitigungen und Ausgleichszahlungen.
Noch schwerer wogen jedoch die wirtschaftlichen Folgen.
Alemannia Aachen rutschte nach dem Stadionbau in eine massive Finanzkrise und meldete schließlich Insolvenz an. Das Stadion entwickelte sich zu einer dauerhaften Belastung. Die Stadt Aachen übernahm das Stadion später faktisch selbst und musste erhebliche finanzielle Verpflichtungen tragen.
Medien und Beobachter bezeichneten den „Tivoli" rückblickend mehrfach als Millionengrab.
Duisburg: Wenn Stadionbauer und Vereinspräsident eine Person sind
Besonders kontrovers verlief die Entwicklung in Duisburg.
Walter Hellmich war dort nicht nur Bauunternehmer, sondern gleichzeitig Präsident des MSV Duisburg. Damit vereinte er die Rolle als Auftragnehmer und als führender Vertreter des Vereins.
Diese Konstruktion wurde über Jahre hinweg öffentlich diskutiert. Kritiker sahen mögliche Interessenkonflikte und eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit des Vereins von Hellmich. Auch die Stadionfinanzierung geriet später immer wieder in die Kritik. Der Verein kämpfte mit hohen Belastungen und finanziellen Problemen. Selbst Jahre nach seinem Rückzug blieb Hellmich ein zentraler Akteur bei Fragen rund um die Arena und deren Finanzierung.
Hinzu kamen später Diskussionen über Schäden am Stadiondach sowie über die langfristige Wirtschaftlichkeit des Projekts.
Bochum und Osnabrück: Die Sorge vor Kosten und Nachträgen
Auch bei aktuellen Stadionprojekten, an denen die Hellmich-Gruppe beteiligt ist, stehen regelmäßig Fragen zu Kostenentwicklung, Risiken und Transparenz im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte.
Dabei geht es weniger um die grundsätzliche Bauqualität als um ein bekanntes Problem vieler Großprojekte: Ursprüngliche Kalkulationen treffen auf Nachträge, Preissteigerungen und politische Zusagen, die später kaum noch einzuhalten sind.
Genau diese Entwicklung beobachten viele Bürgerinnen und Bürger auch in Oldenburg mit großer Sorge.
Wer baut hier was?
Auffällig ist: Bei mehreren Stadionprojekten der Walter Hellmich GmbH gab es später erhebliche Diskussionen über Kosten, Baumängel, Finanzierung oder Transparenz.
Interessanterweise zeigt ein Blick auf andere Hellmich-Projekte ein anderes Bild.
Projekte, etwa in Ingolstadt oder der Umbau des Millerntor-Stadions, gelten dagegen als vergleichsweise reibungslos. Da drängt sich eine Frage auf: Welche dieser Projekte wurden eigentlich von Städten und öffentlichen Trägern ausgeschrieben – und welche von privaten Bauherren oder Vereinen verantwortet?
Zufall? Oder lohnt sich hier ein genauerer Blick auf Verantwortung, Risiko und Kostenkontrolle?
Ingolstadt und Hamburg: Es geht offenbar auch anders
Der „Audi-Sportpark" in Ingolstadt gilt weitgehend als erfolgreich realisiertes Projekt. Auch der Umbau des Millerntor-Stadions beim FC St. Pauli in Hamburg verlief vergleichsweise geräuschlos.
Der Unterschied? In diesen Fällen lagen andere Finanzierungsmodelle, andere Eigentümerstrukturen und andere Risikoverteilungen zugrunde.
Das wirft zumindest eine Frage auf:
Liegt das eigentliche Risiko gar nicht beim Bauunternehmen selbst, sondern in der Art und Weise, wie Städte und Vereine solche Projekte finanzieren und politisch absichern?
Die eigentliche Lehre für Oldenburg
Die Geschichte anderer, teurer Stadionprojekte zeigt vor allem eines: Ein modernes Stadion garantiert weder sportlichen Erfolg, noch wirtschaftliche Stabilität.
Fast jedes Stadionprojekt beginnt mit großen Versprechen von höheren Einnahmen, neue Entwicklungschancen und mehr Attraktivität für die Stadt.
Die Risiken zeigen sich oft erst Jahre später und werden begleitet von steigenden Betriebskosten, erheblichem Sanierungsaufwand, finanziellen Nachschüssen, politischen Konflikten und juristischen Auseinandersetzungen.
Deshalb sollte die Debatte in Oldenburg nicht auf die Frage reduziert werden, ob die Hellmich-Gruppe ein Stadion bauen kann.
Die viel wichtigeren Fragen lauten:
- Sind die Kosten realistisch kalkuliert?
- Wer trägt spätere Mehrkosten?
- Wie belastbar sind die Einnahmeprognosen?
- Welche Risiken verbleiben bei den Steuerzahlern?
- Und was passiert, wenn die Erwartungen nicht eintreten?
Aachen, Duisburg und andere Städte zeigen, dass genau diese Fragen am Anfang eines Projekts gestellt werden müssen – und nicht erst dann, wenn das Stadion längst gebaut ist.









