Märchen und Fabeln um den städtischen Haushalt
Märchen und Fabeln auf Instagram
Eine Einwohnerin fragte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) in seiner Bürgerfragestunde auf Instagram am 12. Februar 2026:
„Muss für ein weiteres Stadion in Oldenburg im Haushalt an anderer Stelle gespart werden?“
Der scheidende Oberbürgermeister erwiderte in seiner ganz speziellen Art:
„Das gehört in den Bereich der Märchen und Fabeln. Das ist etwas, was immer wieder, fälschlicherweise, wiederholt wird, und dadurch aber nicht wahrer wird. Es gibt keine möglichen Auswirkungen durch einen möglichen Stadionbau auf soziale, kulturelle oder andere Einrichtungen der Stadt Oldenburg. Um das mal zu verdeutlichen, der Haushalt der Stadt Oldenburg hat 880 Millionen Euro. Ein mögliches Stadion würde einen Zuschuss von 2,2 Millionen Euro bedeuten; das sind 0,25 Prozent. Daraus zu folgern, dass das die Stadt ruinieren würde und viele Kürzungen erforderlich wären, ist wirklich Blödsinn.“
Dieser Clip zitiert die Insta-Fragestunde vom 12. Februar 2026. ©Stadt Oldenburg
Der Vergleich mit dem Gesamthaushalt von 880 Millionen Euro ist bei den Politikern der „Stadionkoalition“ beliebt, aber absolut unsinnig. Dazu ein paar Zahlen, die zeigen, wie es tatsächlich ist. Die 880 Millionen sind die Summe der für 2026 geplanten Ausgaben. An Einnahmen werden nur rund 812 Millionen Euro erwartet. Und davon gibt die Stadt zum Beispiel für Soziales, Personal- und Versorgungsaufwendungen, Grundsicherung, Schülerbeförderung, Mieten, Zinsen und ähnliches 814 Millionen Euro wieder aus. Allein damit ist Oldenburg also schon zwei Millionen Euro im Minus. Ende des Jahres 2025 stand schon ein Gesamtdefizit von 18 Millionen Euro an. Für 2026 rechnet die Stadtverwaltung sogar mit einem Defizit von ca. 68 Millionen Euro.

Anders als die vielen anderen Aufgaben der Stadt ist ein Stadion für den Drittliga-Fußball jedoch eine freiwillige Leistung und fällt daher in den Haushaltsteil der „hoch beeinflussbaren Leistungen“. Das sind mitnichten 880 Millionen Euro, sondern waren im vergangenen Jahr 87 Millionen Euro – also nur etwa 12 Prozent des Gesamthaushalts.
Oldenburg hat aus besseren Zeiten zwar noch Rücklagen von knapp 200 Millionen Euro. Allerdings übersteigen allein die städtischen Bürgschaften für die Darlehen der Eigengesellschaften und das Klinikum die Rücklage bei weitem. Werden die sogenannten Schattenhaushalte berücksichtigt, dann ist die Stadt schon heute verschuldet, bevor sie die Tiefgarage am Stadtmuseum saniert, das Flötenteich-Bad fertiggestellt ist und den Bauauftrag für das zweite Stadion Anfang Juni erteilt hat.
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) behauptet auf Insta auch, der jährliche Zuschuss für das dauerdefizitäre Stadion betrage nur 2,2 Millionen Euro. Wenn das stimmt, dann würde die Stadt die Beihilfe für die Heimspielstätte der VfB Oldenburg Fußball GmbH über die sogenannte Gruppenfreistellungsverordnung melden und müsste kein EU- Notifizierungsverfahren durchführen. Die Verwaltung erklärte aber, dass ein Notifizierungsverfahren erforderlich ist, weil für das Drittliga-Stadion jährlich 2,6 Millionen Euro zugeschossen werden müssen. Die Aussage des Oldenburger Stadtoberhaupts scheint hier von der Erklärung seiner eigenen Verwaltung in rechtlich relevanter Weise abzuweichen. Wem glauben Sie?
Die Frage der Einwohnerin war aber eigentlich, ob an anderer Stelle gespart werden muss. Ganz der Polit-Profi, hat der scheidende Oberbürgermeister diese Frage gar nicht beantwortet, sondern ist nur auf spezifische Teilbereiche des Haushalts eingegangen. Fest steht aber: Geld kann nur einmal ausgegeben werden.
In einer Insta-Fragestunde in 2023 hatte Oberbürgermeister Krogmann Kürzungen im Sozialbereich nicht einmal abgestritten. Er hatte allerdings behauptet, dass die Kürzungen im sogenannten konsumtiven Haushalt vorgenommen werden, während ein mögliches Stadion eine investive Maßnahme sei, „so dass wir also zwischen den beiden Töpfen nicht das Geld hin- und herschieben können.“ Immerhin haben wir diesen kompletten Blödsinn in vielen Ausschuss- und Ratssitzungen und in unserem Blog aufgedeckt, sodass der scheidende OB jetzt wohl lieber ein anderes Märchen auftischen wollte.
Zur Erinnerung noch einmal die mahnenden Worte der Stadtkämmerin zur Situation des Haushalts 2026:
"... wird zur Folge haben, dass in 2026 (und insbesondere darüber hinaus im Rahmen einer zu erwartenden Haushaltssicherung) noch deutlichere Anstrengungen unternommen werden müssen, um Aufwandsreduzierungen beziehungsweise Ertragssteigerungen zu erreichen.”









