Ein sehr gutes Beispiel: Kickers Emden und das Ostfriesland-Stadion

Andreas Hohls • 31. Januar 2024

Streitthema in Oldenburg und umzu: Das neue Fußballstadion

Stadion der Kickers Emden

Emotionen statt Vernunft


Die Befürworter eines Stadionneubaus in Oldenburg versammeln sich schon immer, aber besonders Anfang 2024 hinter dem emotionalen Moment, der für sie bis hin zum Fanatismus mit ihrer Lieblingssportart verbunden ist. Die dagegen stehenden und eher vernunftgeleiteten Sachargumente der BI KeinStadionBau vermögen offenbar nicht zu überzeugen. Daher lohnt ein Blick in die regionale, wie auch die fußballerische Nachbarschaft, um zu erfahren, wie man andernorts mit der Frage eines Stadionneubaus umgeht. Hier bietet sich unter anderem die Stadt Emden an.

Zum Beispiel Kickers Emden


Seit der Nachkriegszeit wurde im "Ostfriesland-Stadion" gespielt, das dann von 1998 bis 2005 nach dem Vereinspräsidenten Dr. Helmut Riedl auch so benannt war, bzw. als "Embdena-Stadion", einem Sponsorenengagement folgend, bis zum Jahr 2010. Die "Deichkicker Arena" war es dann 2011 nur für ein Jahr, um danach zum Ursprungsnamen "Ostfriesland-Stadion" zurückzukehren.


Der Verein hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich, was den Fußball 1. Mannschaft betrifft. Nach vielen Oberligajahren in den jungen 2000ern und der Regionalliga Nord von 2005 bis 2008 entwickelte man in Emden hochfliegende Pläne.


Neubauplanung in Ostfriesland gescheitert


Mit der Aussicht auf Profifußball in der 3. Liga sollte nun aber ein neues Stadion gebaut werden, ähnlich wie aktuell für den VfB in Oldenburg. Die Zahl von 20 Millionen Euro stand dafür seit dem Jahr 2007 im Raum. Eine Gründungsgesellschaft mbH wurde auch in Emden ins Auge gefasst, die in einem Entschliessungsbeschluß durch den Rat 2009 mit großer Mehrheit eine wichtige Hürde nahm. Die finanziellen Größenordnungen waren aber zwischenzeitlich auf ein sehr viel realistischeres Niveau geschrumpft.


Neun Millionen Euro sollten es nun total nur noch sein, wovon  die Stadt 4,5 Millionen per Kreditaufnahme schultern wollte, indem sie zunächst für 1,5 Millionen Euro das Stadion samt Gelände erwerben würde. Die restlichen drei Millionen sollten in den Bau des Stadions investiert werden, das dann im Besitz der Stadt wäre. Kickers Emden hatte zur Auflage, die verbleibenden sechs Millionen Euro aufzubringen – über Landesbürgschaften, Sponsorengeld und andere Fremdmittel. Eine Rückversicherung der Landesbürgschaft über die Stadt kam nicht in Frage. In der rechnerischen Konsequenz hätte es eine Kostenteilung 50 zu 50 bedeutet. Dazu kam es aber nicht mehr.

Sportliches Auf und Ab


Emden hatte im Jahr 2009 sogar die Qualifikation zur 3. Liga gemeistert, zog aber seinen Lizenzantrag zurück, da das gesamte finanzielle Fundament des Vereins mehr als brüchig war. Von 2009 bis 2012 dann Oberliga, aber auch am Ende die Insolvenz mit dem Absturz in die 6. Liga. „Alles auf Anfang“.


Sehr mühsam arbeiteten sich die Kickers in sieben Jahren Landesliga an die Oberliga Niedersachsen und in der Saison 2022/23 sogar an die Regionalliga Nord wieder heran. Sie stiegen jedoch sofort wieder ab, so dass sie aktuell in der Oberliga spielen. Dort belegen sie Ende Januar 2024 den 1. Platz und verspüren frischen Wind im Verein.


Mit dem 41-jährigen Henning Rießelmann, ehemals BW Lohne, und seiner Agentur Onside hat eine szenebekannte Größe das Ruder übernommen. Bis Jahreswechsel 23/24 war es zunächst noch unsicher, ob Onside das Engagement aufrechterhalten würde, da immer neue Altlasten zu Tage kamen. (Eine auch in Oldenburg nicht unbekannte Entwicklung). Seine Verbindungen in die internationale Fußballwelt als Sportvermarkter haben Anfangserfolge gezeitigt, auch wenn in einer Stützungskampagne bislang nur 70.000 der erhofften 150.000 Euro zusammen kamen.


Es wird spannend sein zu beobachten, was aus den Geschicken des Vereins und seines Stadions wird, wenn die Kickers sich tatsächlich wieder dem Bezahlfußball annähern sollten und dann einen anderen Stadionbedarf hätten gemäß der Forderungen des Deutschen Fußballbundes (DFB).


Rundum-Sanierung zu teuer


In der Saison 2021/22 und speziell nach dem Aufstieg in die Regionalliga wurden Pläne gemacht für die Sanierung des Hauptplatzes des Stadions. Inklusive neuer Wasserleitungen und anderen Maßnahmen sollte es eine Rundumerneuerung werden. Die musste aber abgesagt und durch deutlich kleinere Teilschritte ersetzt werden, da sich im Juli 2022 herausstellte, dass die wirtschaftliche Situation diese Maßnahme nicht zulässt.


Ursprünglich dafür veranschlagte 390.000 Euro beinhalteten 166.500 Euro von der Stadt und dem Stadtsportbund, sowie einer Inanspruchnahme des Vereins in Höhe von 75.000 Euro, was für die Kickers schon eine ernste Herausforderung darstellte. Die mittlerweile eingetretenen geopolitischen Veränderungen, Materialknappheit, 20 bis 25 Prozent Preisanstieg, sowie die Schmälerung des Zuschusses durch den Landessportbund in Höhe von 17 Prozent machten auch das Projekt nicht mehr realistisch darstellbar.


Ostfriesland-Stadion
Talentzentrum Emden

Protest der Sportvereine


Im Jahr 2021 hatte es zudem eine große Diskussion in der Emder Sportwelt gegeben in Bezug auf die Höhe des städtischen  Engagements für die Sanierung nur eines einzigen Platzes.  Insgesamt 15 Vereine wandten sich mit einem offenen Brief an die Émder Ratsfraktionen. Auch an anderer Stelle gäbe es in Emden Investitionsstaus und man erwarte Gleichbehandlung. Im Jahr 2022 war das Thema im größeren Umfang vom Tisch, da der Platz auch mit kleineren Maßnahmen regionalligatauglich wurde. 2023 stiegen die Kickers zudem aus der Regionalliga wieder ab.


Welche Parallelen gibt es zu Oldenburg, welche Unterschiede?


Parallel zu Oldenburg hat es über den Zeitraum der vergangenen gut zwei Jahrzehnte ein dauerndes  ‚Auf und Ab‘ des sportlichen Erfolgs gegeben. Offensichtlich war aber der sportliche Erfolg immer auch ganz eng verbunden mit der wirtschaftlichen Situation des Vereins - selbst in den Amateurligen. Also auch dort scheint Geld über Wohl und Wehe eines Vereins und speziell seiner 1. Fußballmannschaft zu bestimmen.                                 

Besser den Breitensport fördern

Entsprechend gab es hier wie dort die Ausflüge in den Bezahlfußball der 3. Liga bei beiden Vereinen, wie auch die Insolvenz. Einen deutlichen Unterschied erkennt man jedoch schnell, was den Umgang mit öffentlichen Geldern anbetrifft. Die Ostfriesen haben offenbar einen eher sparsameren oder aber realistischeren Zugang zum Thema "Steuergeld-Verwendung". In Oldenburg endete die Projektkalkulation bei unrealistischen 34 Millionen Euro und niemand glaubt, dass das auch nur annähernd reicht. In Emden wurden die anvisierten 20 Millionen als nicht realistisch auf nun neun Millionen Euro eingedampft. Und selbst die waren nicht zu stemmen, da die Stadt eine 50-zu-50-Kostenteilung mit dem Verein anstrebte.

Verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeld


Das signalisiert einen doch sehr verantwortungsvollen Umgang der Politik mit Steuergeld. Der Widerstand von 15 Vereinen in Emden, die sich schon durch eine sehr viel kleinere Maßnahme einer Platzsanierung ungerecht behandelt und benachteiligt fühlten, ist Ausdruck streitbarer Demokratie ohne Gleichschaltung.


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