Krogmann fährt sein Chamäleon-Stadion gegen die Wand
Krogmann fährt sein Chamäleon-Stadion gegen die Wand
Der Noch-OB von der SPD ist Fußballfan und wollte neben einem zu großen Stadtmuseum und einem überteuerten Schwimmbad auch ein reines Fußballstadion bauen. Wegen der Nachnutzung durch den gewerblichen Unterhaltungsfußball gibt es aber keine Fördergelder für die Sanierung der Altlasten. Daher färbte Jürgen Krogmann (SPD) die Totalversiegelung von rund 70.000 m2 für das Fußballstadion und Parkplätze kurzerhand grün:
„Durch die Sanierung nachhaltige Entwicklung der Flächen zu einem harmonischen Grün- und Erlebnisraum in Verbindung mit einem Stadionneubau.“ Dieser soll angeblich die Biodiversität stärken.
Weiter heißt es:
„Durch das geplante Angebot von Sport, Kunst und Kultur wird die Attraktivität der Stadt Oldenburg als Wohnort oder touristischem Ziel gesteigert.“
Der Stadionbau soll dabei zu einer Senkung des CO2 -Ausstoßes und den Schutz der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und der Naturräume beitragen.
Oberbürgermeister Krogmann hatte auch immer klargestellt, dass die Stadt ein Stadion nur für den Berufsfußball baut und die Vereine des Breitensports sich ihre Infrastrukturen selbst bauen müssen: „Hier geht es ja nicht darum, dass wir da Sport machen. Hier geht es um den Profifußball.“ Für das gewerblich vermietete Stadion meldet derselbe Oberbürgermeister aber auch: Eine möglichst große Nutzung der Gesamtfläche für das Gemeinwohl wird angestrebt.
Ein buntes Chamäleon
Der Generaldirektion Wettbewerb bei der EU-Kommission in Brüssel beschrieb Krogmanns Verwaltung das Projekt aber ganz anders:
„Das Stadion steht zudem für diverse andere Sportveranstaltungen zur Verfügung, etwa internationale Jugendfußballspiele, sonstige Fußballspiele, American Football sowie – in nachrangigem Umfang – für nicht-sportliche Veranstaltungen wie Konzerte, MICE-Veranstaltungen (Meetings, Incentives, Conferences, Events) und große gesellschaftliche Ereignisse der Stadt Oldenburg mit vorwiegend sozialem und kulturellem Nutzen usw.“
Mit dieser Argumentation mutiert der beheizte Liga-Rasen zu einem bunten Chamäleon, auf dem große Reitveranstaltungen, Amateursport und der Einlauf des Oldenburg-Marathons stattfinden können. Eine Laufbahn wäre dafür sehr nützlich – die gibt es aber nur im Marschwegstadion. Das DFB-Lizenzhandbuch stimuliert, dass nur die Lizenzspieler*innen den Rasen nutzen dürfen, sonst gibt es keine Lizenz für die 3.-Liga.

Dann wird noch behauptet, dass die jährlich drei Millionen Euro für Oldenburgs drittes Stadion einen Anreizeffekt für wirtschaftliche Nebendienstleistungen, wie etwa Gastronomie, Merchandising und Parkraummanagement haben. Dafür zitiert die Stadt Oldenburg die Lobby-Arbeit, die die Werbeagentur SLC Management im Auftrag eines Fußballunternehmens angefertigt hat, mit dem ausdrücklichen Ziel der Öffentlichkeit mehr Zuschüsse abzudrücken.
Selbst wenn in ein neues Stadion in relevanter Zahl mehr Zuschauer kämen, die VfB-Merchandise kaufen und für Gastronomie und Parkraum bezahlen, subventionieren wir hier vorrangig Mini-Jobs, mit denen wir unsere Wirtschaft in keiner Weise voranbringen.
Außer der VfB Oldenburg Fußball GmbH, ihren Mäzenen und Fans gibt es also niemanden, der das Millionen-Projekt wirklich braucht. Der VfL ist für das bescheidene Hans-Prull-Stadion selbst verantwortlich.
Gleichwohl haben es die von der Stadtverwaltung beauftragten Brüsseler Anwälte geschafft, die Infrastruktur so darzustellen, dass sie zu 80 Prozent anderen Nutzungen zur Verfügung steht (SA.122175). Diese zusätzlichen Nutzungen sind so gar nicht im Verkehrskonzept berücksichtigt und das Lärmgutachten kennt die Nutzungen auch nicht. Gleichwohl veröffentlicht die Europäische Kommission:
„Der Zugang ist nicht ausschließlich einem einzigen gewerblichen Unternehmen (z. B. dem VfB Oldenburg) vorbehalten, sondern steht verschiedenen Nutzergruppen offen. Ein solcher offener Zugang verringert das Risiko erheblich, dass die Infrastruktur vornehmlich dazu dient, einem einzelnen Marktteilnehmer selektive Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.“
Ein Blick auf Krogmanns Stadion-Vorbildern in Chemnitz und Offenbach zeigt auch, dass der heilige Rasen nur für den Regionalliga-Fußball genutzt wird, selbst wenn das in der Planung eigentlich anders dargestellt wurde. Dennoch kam die Generaldirektion Wettbewerb für den Beihilfefall Oldenburg zu dem irritierenden Schluss, dass die Ankermieterin VfB Oldenburg Fußball GmbH durch das Drittliga-Stadion nicht begünstigt wird. Ein überraschendes Urteil, weil die Steuerzahlenden jedes Jahr die Business Seats, das Fernseh-Flutlicht und VIP-Hospitality ganz offiziell mit drei Millionen Euro bezuschussen sollen.
Die Entscheidung der Kommission kommt wohl zustande, weil der Noch-OB behauptet, dass die VfB Oldenburg Fußball GmbH eine Miete zahlen wird, die rund 20 Prozent der Kosten entspricht und damit dem theoretischen Anteil an der Stadionnutzung.
Die überschuldete VfB GmbH wird 17 mal so viel bezahlen müssen
Dass der Wettbewerbsaufsicht hohe Nutzungsentgelte gemeldet wurden, bedeutet für die VfB Oldenburg Fußball GmbH, dass sie etwa 17 mal so viel zahlen muss, wie derzeit für die Nutzung des Marschwegstadions. Im Falle eines Aufstiegs in die 3.-Liga müssen die Entgelte sogar auf das 20-Fache steigen. Das heißt, dass die Profi-Kicker die zusätzlichen Einnahmen, die sie sich für Namensrechte, Hospitality, VIP-Logen und Übertragungsrechte erhofft hatten, weitestgehend an die Stadiongesellschaft abführen müssten.
Dieser Clip zitiert den entlarvenden VfB-Talk der ©NWZ Mediengruppe
Überschuldete VfB GmbH muss eine Million Euro mehr bezahlen
Vermutlich hatte die Stadion-Lobby gehofft, dass wenn das umstrittene Stadion erst einmal steht, man die Politik mit viel Geschrei erweichen kann, die Nutzungsgebühren zu senken, zum Beispiel weil „die Gesellschaft bilanziell überschuldet ist“. So wurde übrigens im letzten veröffentlichten Jahresabschluss der VfB Oldenburg Fußball GmbH gewarnt. Trotz der derzeit noch sehr überschaubaren Nutzungsentgelte von nur etwa 76.000 Euro im Jahr, weist die VfB GmbH jedes Jahr ein großes Defizit aus. Für 2025 ist es ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 350.000 Euro. Woher die überschuldeten Fußballer jährlich eine Millionen Euro nehmen sollen, konnte uns noch niemand beantworten.
Notifizierungsverfahren: schlechteste aller möglichen Ergebnisse
Somit ist der mit beauftragten Gutachten erreichte Ausgang des Notifizierungsverfahrens für alle Seiten schlecht, außer für den Noch-OB von der SPD. Denn Krogmann bekommt sein Denkmal, während den Berufskickern weiterhin die finanzielle Basis fehlen wird, um teurere Talente anwerben zu können.
Krogmanns Drittliga-Pläne fahren gegen die Wand
Bei vielen deutschen Regionalligisten wurden die geplanten Nutzungsentgelte gesenkt, sobald das Fußballstadion fertig war. Das wird in Oldenburg allerdings schwierig, weil nach der Durchführungsverordnung zu Artikel 108 AEUV die Einstufung der wettbewerbsrechtlichen Unbedenklichkeit entfällt, wenn Krogmanns Angaben nicht stimmen. Außerdem sind die Pläne und fragwürdigen Zahlen öffentlich und es sind Mitbewerber bekannt, die interessiert sind, gegen die Wettbewerbsverzerrung durch die Stadt Oldenburg eine Beschwerde einzureichen.
Spatenstich ohne Plan im unsanierten Boden
Die Bodensanierung und Sanierung des Klärschlammbeckens dauern noch bis zum Sommer 2027. Davor kann der Totalunternehmer Walter Hellmich gar nichts bauen. Davor muss er auf eigene Kosten und eigenes Risiko eine Baugenehmigung einholen. Bis die beantragt wird, wissen wir voraussichtlich mehr über das Normenkontrollverfahren.
Gleichwohl lädt der Noch-OB die Presse ein, ihn zu fotografieren, wie er vier Wochen vor seinem Ausscheiden irgendwo
symbolisch in den unsanierten Boden sticht. Sein Ziel, mit Steuergeldern der Stadt Oldenburg dem gewerblichen Fußball eine finanzielle Basis zu schaffen, ist jedoch gescheitert.
Weil Jürgen Krogmann (SPD) ein privat finanziertes Stadion von vornherein abgelehnt hat, wird sein Name auf ewig mit dieser teuren Fehlplanung verbunden bleiben.









